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Studierende der DHBW Lörrach zum Kurzzeitaustausch in Peking: Logistik, Kultur und Marx

Seit über zehn Jahren verbindet die Duale Hochschule Baden-Württemberg Lörrach eine enge Kooperation mit der Beijing Wuzi University in Peking. Im Rahmen eines neuen Kurzzeitaustausches hielten sich 20 Studierende der DHBW Lörrach vom 8. bis 16. Juli in der chinesischen Hauptstadt auf.

Studierende der DHBW Lörrach mit Prof. Dr. Schwolgin (links) vor dem Eingang zur Verbotenen Stadt

Die Fahrt fand auf Einladung des Rektorats der Beijing Wuzi University statt, die das Programm organisiert und auch alle lokalen Kosten übernommen hatte. Die Gruppe bestand aus Studierenden des Studiengangs BWL-Spedition, Transport und Logistik und Mitgliedern des Circle of Excellence verschiedener Studiengänge. Die Studierende waren in einem speziellen Auswahlverfahren von Prof. Dr. Schwolgin und Prof. Dr. Gruninger-Hermann für diese Auslandsexkursion ausgewählt worden. Dabei ging es neben der akademischen Leistung vor allem um die Einschätzung der sozialen und interkulturellen Kompetenz der Bewerber.

In seiner Begrüßungsrede betonte der Prorektor, Prof. Dr. Minke He, dass ihm die Intensivierung der Kooperation mit der DHBW Lörrach sehr am Herzen läge und er deshalb im Oktober selbst nach Lörrach kommen wolle. Der von Prof. Dr. Armin F. Schwolgin, der sich seit 12 Jahren um die Kooperation der DHBW Lörrach mit China kümmert, geleiteten Delegation wurde ein reichhaltiges wissenschaftliches und kulturelles Programm geboten. 

Logistik in China

Professoren und Professorinnen der Beijing Wuzi University brachten den Studierenden die Themen Kultur und Geschichte, insbesondere aber Supply Chain Management und E-commerce in verschiedenen Vorlesungen nahe. Zum Abgleich mit der Praxis im Lande wurden die Einrichtungen von zwei chinesischen Logistikdienstleistern (Pharmalogistik und Verlagsdistribution) besucht. Im staatlichen Verlagsauslieferungslager Beijing Book Distribution Center ging es um die Lagerhaltung und den Versand von in- und ausländischen Verlagserzeugnissen im Großraum Peking, wobei die Kommissionierung im Vordergrund stand. Bei durchaus vergleichbarer Technik zeigte sich die Bedeutung des Faktors Mensch. Nur er hätte den Stillstand der Kommissionieranlage verhindern können.   

Der zweite Besuch galt dem Pharmalogistikunternehmen Huaren Sino Supply Chain Management Co., einem führenden Unternehmen im Bereich der temperaturgeführten Logistik. Dieses Unternehmen arbeitet eng mit vielen internationalen Pharmaunternehmen zusammen, u. a. Bayer und Roche. Eine besondere Rolle spielt nach Aussage der Geschäftsführerin der Bereich Biopharmaka. Dieser Zweig gewinne angesichts der wachsenden Bedeutung in China stetig an Aufmerksamkeit. Aufgrund der Temperaturaufzeichnungen kann das Unternehmen für jeden einzelnen Transport in diesem „beschissen großen Land“, wie es der Schriftsteller Xu Xing in seinem 2004 in Deutsch erschienen Roman genannt hat, computergesteuert die optimale Verpackung und Kühlung konfigurieren. Zur Validierung dienen verschiedene Klimakammern.

„Marx war ein großer Denker“

Zwischendurch und am Wochenende hatte die Gruppe die Gelegenheit, eine Reihe bekannter Sehenswürdigkeiten, darunter die verbotene Stadt, den Platz des Himmlischen Friedens und das Nationalmuseum zu besuchen. Dort wird eine große Ausstellung zum 200. Geburtstag von Karl Marx gezeigt, die unter dem Titel „The Power of Truth“ steht. Dem Vernehmen nach war bzw. ist diese Sonderausstellung für die Angehörigen chinesische Hochschulen ein kollektives Pflichtprogramm; die Studierenden der DHBW Lörrach schauten sich die Ausstellung zwar auch in der Gruppe an, aber durchaus freiwillig. Dabei stellten sie sich allerdings die Frage, ob Karl Marx den neuen chinesischen Kommunismus überhaupt als solchen erkannt hätte. Auf diese Frage antwortete einer der durchaus rhetorisch geschulten Führer nach einer kurzen Denkpause: „Marx war ein großer Denker.“ Sein Augenzwinkern war dabei nicht zu übersehen. 

Alle Studierenden genossen die spannenden Einblicke in eine andere Kultur. Besonders beeindruckt waren sie von der Größe der Stadt Peking und der hohen Bevölkerungsdichte, welche die Fahrt mit der U-Bahn zu einem besonderen Erlebnis machte. Die Erfahrung, selbst eine Attraktion zu sein, die vor allem von Kindern und Jugendlichen fotografisch festgehalten wurde, wird vielen in Erinnerung bleiben. Nach der Einschätzung von Prof. Schwolgin gibt es erste Signale aus Peking, nach denen der Kurzeitaustausch im kommenden Jahr wiederholt werden soll. „Damit hätte unsere Kooperation neben dem bilateralen Austausch von Studierenden, Professoren und gemeinsamen Publikationen jetzt ein viertes Standbein bekommen“, fasst er zusammen.