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Stört Windkraft Touristen?

Studienarbeit untersucht Akzeptanz von Windrädern beim Fremdenverkehr von Münstertal.

Foto: Manfred Lange

 

Im März 2011 – als dieses Foto entstand – wurden die Münstertäler Bürger zur Windkraftnutzung befragt. Jetzt durften sich die Fremdenverkehrsgäste des Tales zu diesem Thema äußern.

MÜNSTERTAL. Das hat es bisher so wohl noch nicht gegeben – eine belegbare Aussage über das Verhältnis von Windenergieanlagen zum Tourismus, speziell für die Destination Münstertal/Südlicher Breisgau. Von Windkraftgegnern wird oft ins Feld geführt, dass Windräder in Tourismusgemeinden sich nachteilig auf den Gästebesuch auswirken. Dem ist die Studentin Theresia Riesterer nachgegangen, die im dritten Jahr ihrer Ausbildung an der Dualen Hochschule Lörrach und dem Tourismus Zweckverband Breisgau-Süd-Touristik (BST) steht.

Wie BST-Geschäftsführer Thomas Coch in der jüngsten Mitgliederversammlung bekanntgab, liegen erste Daten aus der Bachelorarbeit von Theresia Riesterer vor. Die Touristik-Studentin konnte nachweisen, dass die Akzeptanz der Windenergie bei Touristen stark abhängig ist von der konkreten Urlaubsregion und der für die Anlagen vorgesehenen Landschaft. Marktorientierte Tourismusforschungsinstitute (zum Beispiel an der Uni Passau) ermittelten ein so genanntes Meidungsrisiko, also den Verzicht auf Urlaub in mit Windrädern bestückten Gebieten, von 15 bis 22 Prozent.

Das geringste Konfliktpotential für Windkraftanlagen im Südlichen Breisgau, so mutmaßt Thomas Coch, scheinen derzeit die Höhenzüge auf den Gemarkungsgrenzen Münstertal, Ballrechten-Dottingen, Sulzburg mit den Gewannen Böschliskopf und Enggründle zu sein. Wie weit die Akzeptanz für solche Anlangen in der Ferienregion Münstertal-Staufen geht, dazu hat Touristik-Studentin Theresia Riesterer von Mitte Juni bis Ende Juli 2012 Gäste befragt und 237 Fragebogen zurückbekommen. Die ganz entscheidende Frage lautete: Würden Sie sich gegen den Urlaubsort Münstertal entscheiden, weil dort Windenergieanlagen stehen? Darauf konnten die Befragten die Ziffern 1 (Nein, auf keinen Fall) bis 6 (Ja, auf jeden Fall) vergeben.
Absolut keine oder nur wenige Bedenken (Wertungsziffer 1 bis 3) gegen Windkraftanlagen äußerten rund 70 Prozent der Befragten. Mit den Noten 6 und 5 bekundeten 19 Prozent ihren klaren Verzicht auf einen Urlaub im Münstertal mit Windrädern. Aus daraus prognostizierten Übernachtungsverlusten kalkuliert die Studie einen Rückgang der Wertschöpfung um mindestens elf Prozent – das würde jährliche Umsatzeinbußen im sechs- bis siebenstelligen Euro-Bereich bedeuten.
Um dies zu minimieren oder gar zu kompensieren, empfiehlt die Studie eine Förderung der Akzeptanz der Windenergie bei den Touristen. Hier seien primär die Gastgeber gefragt für einen offenen Gedankenaustausch mit den Gästen. Auch Informationen mittels Broschüren, Führungen und Infotafeln nennt die Studie als geeignete Mittel zur Förderung der Windkraft-Akzeptanz. Ein offener Umgang mit erneuerbaren Energien könne durchaus zu einem positiven Image der Urlaubsregion Münstertal beitragen, lautet das ermutigende Fazit der Bachelor-Arbeit von Theresia Riesterer.
Ob dadurch die Chancen zum Bau von Windrädern auf den Höhenzügen des Südschwarzwaldes fallen oder steigen, bedarf indes weiterer Analysen und Untersuchungen, die auf Gemarkung Münstertal vor allem hinsichtlich Vogelzug und Trinkwasserschutz derzeit in vollem Gange sind.