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Science Lunch: "'Nudging': Werden wir alle manipuliert?"

Brown Bag Lunch Vortrag von Prof. Dr. Jan Schnellenbach (BTU Cottbus - Senftenberg) über libertären Paternalismus

12. Mai 2016 [Mi] // 12.45-14.00 Uhr // Georg H. Endress Auditorium

Für US-Präsident Obama und den britischen Premier Cameron gehört das „wohlwollende Anschubsen“ (oder „nudging“) bereits seit einiger Zeit zum politischen Standardrepertoire. Die empirische Verhaltensökonomie hat in den vergangenen Jahren gezeigt, dass Menschen nicht durch vollständige, konstante und widerspruchsfreie Präferenzen zu charakterisieren sind. Damit wird nicht nur ein Grundpfeiler der neoklassischen Lehrbuch-Mikroökonomik infrage gestellt, sondern möglicherweise auch die ganz praktische Vorstellung, dass jeder Mensch im Zweifelsfall selbst am besten weiß, was sein eigenes Wohlergehen maximiert. In diesem Kontext ist von einigen prominenten Verhaltensökonomen das Konzept des „libertären Paternalismus“ entwickelt worden. Dabei geht es nicht nur um die Frage, wie man Individuen dabei helfen kann Entscheidungen zu treffen, die für sie selbst besser sind als solche Entscheidungen, die sie ohne sanft-paternalistische Hilfe treffen würden. Kritisch muss auch hinterfragt werden, welche Folgen ein missbräuchlicher Einsatz von Nudging haben kann und welche Alternativen zu Nudging bestehen. Die Verhaltensökonomie und ihre praktischen Implikationen geraten nun auch immer stärker in den Fokus der deutschen Politik. 2017 erhielt Richard H. Thaler von der Universität Chicago für seine Forschung den Alfred-Nobel-Gedächtnispreis für Wirtschaftswissenschaften von der Jury der Königlich-Schwedischen Wissenschaftsakademie in Stockholm. Thaler wurde für seine Beiträge zur Verhaltensökonomik ausgezeichnet, wie die Jury erläuterte. Dabei geht es etwa um psychologische Faktoren, die hinter wirtschaftlichen Entscheidungen stehen.

 

 

Prof. Dr. Jan Schnellenbach, Professor für Volkswirtschaftslehre, insbesondere Mikroökonomik an der Brandenburgisch Technischen Universität Cottbus – Senftenberg, war am Donnerstag, den 12. Mai 2016 zu Gast an der DHBW Lörrach. Er beleuchtete in seinem Vortrag den libertären Paternalismus näher und stellte einige „Nudges“ anhand existierender Standardvorgaben, Selbstbindungen und Informationsbereitstellungen vor. Prof. Schnellenbach setzt sich kritisch mit der Anwendung dieser Nudges auseinander: Wer darf sich anmaßen, für die Wirtschaftssubjekte „kluge“ Entscheidungen zu treffen? Bei welchen Entscheidungen sind Eingriffe einer anderen Instanz begründbar? Mit welchem Zeithorizont und aufgrund welcher Wohlfahrtsüberlegungen wird eine Entscheidung als „richtig" definiert? Welcher Rationalitätsbegriff steht hinter dem Konzept? Auf diese und weitere Fragen ging Prof. Schnellenbach in seinem Vortrag und der anschließenden Diskussion ein.

Für Interessierte mehr zum Thema auf http://nudges.org/

Der Vortrag ist Teil einer Veranstaltungsreihe, welche die DHBW Lörrach in Zusammenarbeit mit dem Walter-Eucken-Institut und dem Aktionskreis Freiburger Schule anbietet.